Konzept: Rechtschreiben

Rechtschreibüben muss für die Kinder erfahrbar dem Ausüben dienen, nämlich dem Schreiben der eigenen Texte. Rechtschreibunterricht ist demnach in den Schreibunterricht integriert. Dies fordern übrigens auch alle neueren Lehrpläne – auch unser neuer Lehrplan.

Rechtschreiben: Werkzeug zum Schreiben

Viele Rechtschreibmaterialien sind solche Materialien nach Rechtschreibphänomenen aufgebaut (Wörter mit langem ie, s-Schreibungen, häufige Vorsilben ...). Sie werden meist lehrgangsmäßig aufbauend bearbeitet werden.

Hierbei geht es um die grundsätzliche Frage, von wo Lernen und Üben gesteuert wird:

von außen (vom Material und der dort eingebauten Systematik) oder von innen (vom Kind und seiner Rechtschreibentwicklung).

Integrativer Rechtschreibunterricht

  Beim kursartigen Rechtschreibunterricht ist Rechtschreiblernen und –üben vom übrigen Unterricht abgekoppelt, also nicht in den Schreibunterricht integriert. Das Material ist in einer Progression nach Rechtschreibphänomenen strukturiert, es leitet die Übungsfolge.

  Wir streben an, Rechtschreiblernen und –üben in den Schreibunterricht zu integrieren:

Die Kinder arbeiten Wörtern, die für sie beim Schreiben wichtig sind. „Lernwörter“ haben eine Doppelfunktion als Gebrauchswörter (also Wörter, die sie beim Schreiben ihrer eigenen Texte brauchen), und als Modellwörter (also Wörter, an denen sie Schreibweisen und Rechtschreibphänomene erkennen und auf weitere Wörter anwenden, die generalisieren und transferieren helfen).

Wir bevorzugen das Integrative Konzept des Rechtschreibenlernens aus drei Gründen:

1.    Kinder brauchen gute Gründe gerade auch zum Üben.

Wenn die eigenen Texte in Schreibprojekte eingebettet sind (Geschichtenbuch, Tierkartei, Klassentagebuch ...), dann erwächst daraus die beste, nämlich die sachbezogene Begründung, genau diese Texte auch „richtig“ zu schreiben.

2.    Kinder lernen mit eigenen ihnen wichtigen Wörtern am wirkungsvollsten die „Richtigschreibung“. Das zeigen auch empirische Befunde.

3.    Werden solche Wörter zu „Lernwörtern“, dann sind sie für die Kinder inhaltlich geklärte und bedeutungsvolle Wörter, anders als etwa die Wörter auf einer externen Karteikarte.

 

  Die Materialien des an der Regenbogenschule eingeführten Sprachbuchs „Kunterbunt“ setzen dieses Konzept um. In den darin vorgeschlagenen Themen wird das integrative Konzept des Rechtschreibenlernens umgesetzt.

  Die Grundelemente und Übungsstrategien können aber auch bei allen anderen Themen und Unterrichtsgegenständen angewandt werden.  Es folgt das dafür nutzbare Planungsraster:

  Integrierter Rechtschreibunterricht: Planung

 

 

Thema + Klasse

 

 

Schreibanlässe,

Schreibmöglichkeiten

 

 

 

 

 

Thema + Klasse

 

 

Schreibanlässe,

Schreibmöglichkeiten

 

 

 

 

 

RS-Muster

(fest stehende Schreibweisen)

 

 

z.B. Konsonantenfolgen,

langes ie, Wortbausteine wie ver-, ent-, -en, -er, -ung

bes. Laut-Buchstaben-Bezüge wie pf, chs

 

RS-Regelungen

(auf einer allg. Regel

bestehende Schreibweise)

 

 

besonders:

Stammschreibung,

Vokallänge/-kürze mit folgenden Konsonanten, Großschreibung, Worttrennung, Satzzeichen

 

Methodisch:

   Sammeln

   Nachdenken

   Forschen

 

 

Wörter nach Aspekten sammeln

über Schreibweisen nachdenken

zu Schreibweisen forschen

 

 

Klassenarbeiten im Rechtschreiben

Traditionelle Klassendiktate, vorbereitet oder unvorbereitet, sind nicht geeignet, um die Rechtschreibentwicklung und relevante Rechtschreibleistungen von Kindern zu ermitteln:

Richtig abschreiben, selbstständig mit Lernwörtern üben, Wörter nachschlagen, Texte kontrollieren und korrigieren, mit Regelungen umgehen – solche grundlegenden Fähigkeiten sind durch traditionelle Diktate nicht überprüfbar.

Diese Einsicht hat zu zwei unterschiedlichen Möglichkeiten in der Praxis der Rechtschreibarbeiten geführt:

§   zu Diktatvarianten, die auch relevante Rechtschreibleistungen berücksichtigen, und

§   zu alternativen Klassenarbeiten ohne Diktatanteil.

Diktatvarianten

Beispiel: Verteiltes Diktatschreiben

Die Kinder üben allein oder mit Partnern Wortmaterial und Diktattext. Wenn sie sicher genug sind, dann melden sie sich „zum Diktat“, das z.B. während der Wochenplanarbeit durchgeführt wird.

Grundlegende Anforderung (Note Befriedigend): eine nur geringe Fehlerquote.

 

Beispiel: Zwei-Phasen-Diktat

Das Diktat wird traditionell geschrieben. Bei Unsicherheiten markiert das Kind die entsprechende Stelle. Nach dem Diktat erhalten die Kinder Zeit, um die fraglichen Wörter nachzusehen und dann mit einem anders farbigen Stift zu korrigieren.

Grundlegende Anforderung: eine nur geringe Fehlerquote im korrigierten Text.

 

Beispiel: Stufendiktat

Es gibt einen ersten für alle verpflichtenden Teil, den Grundtext. Ihm folgt ein zweiter erweiterter Textteil, der je nach eigener Einschätzung bzw. mit Beratung durch die Lehrkraft mitgeschrieben werden kann. Als dritter Teil steht an der Tafel eine ergänzende Aufgabe zum Inhaltsbereich des Diktats, die frei bearbeitet werden kann, zum Beispiel mit Wörtern zum Unterrichtsthema, mit der Beantwortung einer Frage oder einem kleinen eigenen Text. Grundlegende Anforderung: die weitgehend fehlerlose Schreibung des Grundtextes; für jeweils fünf richtig geschriebene Wörter im Zusatzteil wird ein Fehler wett gemacht. Solche Details sind natürlich variabel und können mit den Kindern ausprobiert werden.

 

Beispiel: Wörterdiktat

Die in der Unterrichtseinheit besonders geübten Lernwörter werden diktiert und in eine linke Spalte untereinander geschrieben. Wo ein Kind unsicher ist, markiert es das Wort. Es folgt eine individuelle Arbeitszeit: Alle markierten Wörter können nachgeschlagen und korrigiert in die rechte Spalte geschrieben werden. Dann schreibt das Kind weitere eigene schreibwichtige oder interessante Wörter unter die diktierten Wörter.

Grundlegende Anforderung: die weitgehend fehlerlose Schreibung nach der Korrektur. Hier das Beispiel aus der Unterrichtseinheit: „Was wir in der Freizeit machen“.

Alternativen

 

Beispiel: Abschreiben, kontrollieren und korrigieren

 

Die Kinder kennen neben Dosen- und Schleichdiktaten auch das Wendediktat. Auf der Rückseite des Heftes ist eine Folientasche geklebt, in die ein ausgewählter Text eingesteckt werden kann. Entsprechende Texte, die über die Jahre angesammelt wurden, gibt es im Diktatkasten. Die Kinder wählen einen Text, lesen ihn durch, markieren die schwierigen Wörter, hier die Stellen, auf die sie besonders achten müssen. Die Karte wird in die Folientasche gesteckt. Zeile für Zeile wird der Text eingeprägt, ins Heft geschrieben, kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert. Zur Klassenarbeit erhalten die Kinder einen Text oder sie wählen einen aus dem Diktatkasten. Dann verfahren sie wie geübt.

Grundlegende Anforderung ist der weitgehend fehlerlose Text.

 

Beispiel: mit Regelungen umgehen

 

Die Kinder erhalten in einer Klassenarbeit verschiedene Aufgaben zum Sammeln, Nachdenken oder Forschen zu rechtschriftlichen Phänomenen. Einige Möglichkeiten:

-          Finde mindestens sechs Wörter, die mit dem Wort fahren verwandt sind, und

       kreise den Wortstamm ein.

-          Warum schreibt man Fahrrad mit großem Anfangsbuchstaben, mit ah, zwei r

       und am Ende mit d? Beweise deine Antworten.

-          Schreibe aus einem Buch Wörter heraus, bei denen man am Anfang ein „sch“

       spricht. Es sollen mindestens zwanzig Wörter sein. Sortiere die Wörter nach

       den Schreibweisen und schreibe auf, was dir dabei auffällt.

-          Warum schreibt man der Spaß mit ß, aber das Schloss mit ss? Finde

       wenigstens drei weitere Wörter mit ß und drei mit ss. Begründe auch hier die

       Schreibweisen.