Konzept: Schuleingangsphase

Die Arbeit in der Schuleingangsphase erfordert besonders geeignete Formen der Lehr- und Lernorganisation, eine übersichtliche Ordnung des Arbeitsmaterials, die Rhythmisierung des Tagesablaufs und eine spezifische Rolle der Lehrerinnen und Lehrer. Hier können wir an gewachsene Strukturen und Ressourcen anknüpfen:

 

Unterrichtsformen

In Phasen der Freien Arbeit können die Kinder ihren Lernprozess weitgehend selbstständig planen und gestalten. Sie stellt entschieden das Kind mit seinen Interessen, Neigungen, Aktivitäten und Ideen, mit seiner persönlichen Anstrengungsbereitschaft, seiner Neugier, seinem Leistungswillen, seinen Stärken, aber auch seinen Schwächen und Lernschwierigkeiten in den pädagogischen Mittelpunkt.

Viele Klassen organisieren ihre Arbeit mit Wochen- oder Arbeitsplänen. Kinder bearbeiten Pflicht- und Wahlaufgaben in ihrem persönlichen Lerntempo und entsprechend dem individuellen Leistungsstand.

Werkstattarbeit: Hier werden zu bestimmten Themen vielfältige, fächerübergreifende Arbeitsangebote gemacht. Ausgangspunkt ist stets eine gemeinsame Klärung des vorhandenen Wissens, der Ressourcen, auf die zurückgegriffen werden kann (Medien, Experten, Lernorte) und eine gemeinsame Arbeitsplanung, die Raum lässt für individuelle Schwerpunkte.

Regelmäßig finden Kreisgespräche statt, in denen die Kinder ihre Arbeiten vorstellen und einzelne Themen vertieft werden können.

„Lesehelfer“: Innerhalb des Klassenverbandes werden feste Lernpaare vereinbart, d.h. einzelne Kinder werden meist jüngeren über einen längeren Zeitraum als Lernpartner zugeordnet. Das ist besonders hilfreich, wenn Schulanfänger neu in den bestehenden Klassenverband kommen. Beim Lesenlernen hatten wir hier schon gute Erfahrungen gemacht.

Klassendienste: In den Klassen gibt es ein Netzwerk von vielen kleinen Institutionen und „Ämtern“.

 

Gestaltung der Lernumgebung

Unsere Klassenräume sind so gestaltet, dass die Kinder eine Struktur vorfinden, in der sie sich orientieren können. So wird das umfangreiche Arbeitsmaterial nach Fachbereichen angeordnet, was den Kindern die selbstständige Wahl angemessener Arbeiten erleichtert. Es gibt verschiedene Ecken für besondere Tätigkeiten, z.B. eine Leseecke, die Mathe-Werkstatt, einen Ausstellungstisch für aktuelle Materialien u.Ä. Jedem Kind steht ein Angebot an Lernmaterialien zur Verfügung, das seinen individuellen Bedürfnissen entspricht.

 

Gestaltung des Tageslaufs

Bewährt hat sich eine verlässliche Orientierungshilfe durch Strukturierung und Rhythmisierung des Tagesablaufs. Erwähnt sei z.B. der offene Anfang am Morgen, der den Kindern ein Zusammenfinden und „Versammeln“ ermöglicht, Anknüpfungspunkte an den vorigen Tag bietet und Voraussetzungen schafft für die Konzentration auf geplante Arbeitsvorhaben.

 

Die Rolle der Lehrerin

Mit den veränderten Arbeits- und Sozialformen hat sich auch die Rolle der Lehrer/innen gewandelt. Immer mehr bewegen wir uns vom Lenker und Führer hin zur Beraterin und „Anregerin“. Eine Hauptaufgabe ist es, produktive Lernsituationen zu initiieren. Die gemeinsame Planung in Stufenkonferenzen, Förderkonferenzen und ein kontinuierlicher Austausch sind wesentliche Elemente der Arbeit in der Eingangsphase.

Unsere Absichten und Ziele

 

Vielfalt des Lernens in der Gemeinsamkeit des Lernens: Miteinander und voneinander lernen

Das für alle gemeinsame Thema schafft dazu eine gemeinsame inhaltliche Grundlage. Die Kinder einer Klasse arbeiten an einem gemeinsamen Thema. Dabei entstehen Aufgaben, die auf unterschiedlichen Niveaus zu bearbeiten sind. Die individuellen Leistungen der Kinder werden individuell gewürdigt und dokumentiert. Sie fließen häufig durch kleine und größere Projekte wieder in die Arbeit der ganzen Klasse ein.

 

Selbstständiges Lernen

Kinder lernen Arbeitsmethoden und -techniken, mit deren Hilfe sie dann zunehmend eigenständig und individuell weiter üben können. Beim Schreiben- und Lesenlernen z.B. wird am Anfang besonders das Bewusstsein für die Laute geschärft. Dabei lernen die Kinder den Umgang mit der Schreibtabelle.

Damit Kinder dies alles auch zunehmend selbstständig weiter üben können, bieten wir bestimmte Standard-Übungen an: das Schreiben der neuen Buchstaben, das Wiedererkennen des Buchstabens, das Abhören von Wörtern, das zum Erschreiben von Wörtern führt; zum Erschreiben von Wörtern sind Schreib-Lese­-Rätsel sinnvoll. Hier ordnen die Kinder den Anlautbildern Buchstaben zu und erhalten ein Lösungswort. Dies alles sind Werkzeuge, um das Schreiben von eigenen Texten zu befördern.

 

Differenzierung

Im Klassenraum finden sich zahlreiche Angebote und Materialien, mit denen die Kinder individuell arbeiten können. Jedes Kind lernt anders, daher kommt es darauf an, Kinder individuell beim Lernen zu begleiten. Wenn Kinder selbstständig arbeiten, hat die Lehrerin mehr Zeit für das einzelne Kind.

 

Unterrichten in der Eingangsphase bedeutet vor allem:

1.:   Lernumgebung gestalten

2.:   Unterrichtstag strukturieren

3.:   Reviere, Regeln, Rituale einführen und pflegen

4.:   Themen arrangieren

5.:   Differenzierungen planen und ermöglichen

6.:   Lernfortschritte im Auge behalten

Vier Bausteine des Lernens in der Schuleingangsphase

Der didaktische Schlüssel für den produktiven Umgang mit der Heterogenität der Lerngruppen ist das gemeinsame Thema, das gemeinsame Projekt.

Es muss so angelegt sein, dass

 Kinder auf unterschiedlichen Niveaus arbeiten können.

 jedes Kind mit seinen Möglichkeiten zur gemeinsamen Thematik beitragen kann.

 die Differenzierung im Thema stattfindet, nicht außerhalb.

Abc des Lernens:

Bei der eigenen Arbeit und in der Zusammenarbeit mit anderen lernen Kinder, sich selbst, ihre Arbeit und die Arbeit der Klasse zu organisieren.

Zum „Abc des Lernens“, das sich die Kinder in der Eingangsphase möglichst selbsttätig aneignen, gehören z.B.: Richtig schreiben von Anfang an; Schriften schreiben; Geschichten schreiben; Sachtexte schreiben; Denkwege in die Rechtschreibung finden; selbstständig üben (z.B. beim Rechtschreiben: Merkwörter zum Thema, Übungstexte zum Thema, Abschreiben in 4 Schritten, Wörtertreppe / Wörterliste, Abc-Heft / Lernkartei, Nachschlagen, Selbstdiktat und Partnerdiktat, Rechtschreibgespräche).

 

Lernen braucht Wert-Schätzung

Die Leistungen der Kinder wahrzunehmen, zu würdigen und zu dokumentieren ist eine zentrale Aufgabe. Kinder sollen Erlebtes, Erfahrenes, Gekonntes und Gelerntes zeigen – für andere und auch zur eigenen Selbstvergewisserung.

Von Anfang an sollen Kinder ihre eigenen Lernwege beschreiben: In Lerntagebüchern oder Portfolios halten sie eigene Ideen und Ansichten, Lernwege, Entdeckungen und Erfindungen fest. Ihre Mühe bekommt dadurch sichtbaren Ausdruck und bleibenden Wert: Arbeitsergebnisse sind „gesammelte Lernspuren“. Der Prozess des Produzierens, Sammelns, Auswählens, Dokumentierens, Reflektierens und Präsentierens durchzieht wie ein roter Faden die Arbeit in der Klasse.