Das Zweier-Gespräch

Angeregt durch das Buch „Die Wahrheit beginnt zu zweit“ von Michael Lukas Möller entwickelte Rosi Werner eine Methode, bei einem Streitgespräch zwischen zwei Kindern zu vermitteln.

Dabei ging es zunächst um die einfache Anweisung, jeden der beiden Streithähne seine Sicht der Streitsituation ohne Unterbrechung darlegen zu lassen.

 

Struktur des Zweiergesprächs:

1. A erzählt den Hergang, B hört zu.

2. B erzählt den Hergang, A hört zu.

3. A wünscht sich was von B, das ihm (A) hilft, dass es ihm in Zukunft besser mit ihm (B) geht.

4. B sagt, ob und wie weit er dem Wunsch von A entsprechen kann.

5. B wünscht sich was von A, das ihm (B) hilft, sich in Zukunft besser mit ihm (A) zu fühlen.

6. A sagt, ob und wie weit er dem Wunsch von B entsprechen kann.

7. Dank und Würdigung durch die Begleiterin

 

Zwei wichtige Thesen, die Rosi Werner im Umgang mit den Streitenden leiten:

 

Gründe für eine Tat sind einfach nur Gründe

und sie sind nicht gut oder schlecht, wie die Kinder und natürlich auch die Erwachsenen das in aller Regel annehmen. Da moralisches Urteilen im Lebensbereich der Kinder allgegenwärtig ist, tritt bei ihnen eine sie selbst überraschende Entspannung ein, wenn sie im Zweiergespräch erleben, dass das Verurteilen entfällt. Das macht sie offen für die Erfahrung:

 

Taten haben Folgen

Jede Tat hat ihre ihr eigenen Folgen. Das ist Kindern in aller Regel nicht klar. Es kann ihnen aber klar werden, wenn sie sich in einem urteilsfreien Raum (Zweiergespräch) nicht in einer Verteidigungshaltung einmauern müssen, sondern sehen können, dass z.B. der Geschlagene Schmerzen hat. Wenn nun der Täter in diesem Fall mit Strafe rechnen muss, dann ist für ihn die Situation besser zu überstehen, wenn er die Folgen seines Tuns gar nicht an sich herankommen lässt.

Stehen nun Strafe und Verurteilung nicht im Raum, ist im Kind Energie zum Verstehen der Tatfolgen frei. Strafe macht Angst, Angstfreiheit schafft Möglichkeiten.

Kinder erlangen die Möglichkeit ihre Verteidigungshaltung aufzugeben und ihren eigenen Blick auf die Situation zu erweitern. Sie nehmen ihre eigenen Gefühle bewusst wahr und auch die ihres Kontrahenten. Sie können ohne moralischen Druck die Erlebniskonsequenzen ihres Tuns erleben, einander verstehen und ihr Verhältnis zueinander verändern.

Je deutlicher der das Zweiergespräch vermittelnde Erwachsene sich seiner eigenen Urteile und Verurteilungen bewusst ist, umso leichter kann er/sie diese Gesprächstechnik vermitteln.

Wichtig ist diese Haltung des Erwachsenen den Streitenden gegenüber:

 

Nach dem Bericht von Rosi Werner, Sozialpädaogische Fachkraft, über ihre Methode, Streitigkeiten unter Kindern zu schlichten, bei der Lehrerkonferenz der Regenbogenschule.